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  1. Literaturnacht

WERDEN - Literaturnacht am CJD

Literaturnacht der Q1

Die diesjährige Literaturnacht am 29. Mai stand unter dem Motto „WERDEN!“. „Wer bin ich?“, „Wie sehen mich andere?“ und „Bin ich genug?“, aber auch: „Ist der Mensch gut oder böse?“.

Versorgt durch kleine Snacks und Getränke und begleitet durch Lehrkräfte konnten die Besucherinnen und Besucher am Abend im Verlauf von vier Stunden fünf hochklassigen Aufführungen erleben.

Der Abend startete gemeinsam in der Aula. Als das Publikum die Plätze eingenommen hatte, schwoll Musik an und auf der Bühne erschienen schwarz gekleidete Schüler:innen mit weißen Masken in einer Reihe. Nacheinander gingen sie zum vorderen Rand der Bühne, machten eine individuelle Pose und kehrten wieder zu einem Platz in der Reihe zurück. Dieses beinahe gespenstische Spiel endete darin, dass alle Schüler:innen in einer Reihe bis zum Rand der Bühne vortraten und sich in unterschiedlichen Posen hinsetzten. Die Musik klang ab und andere Schüler:innen erhoben ihre Stimme. Sie stellten Fragen - etwa wie eingangs formuliert. Manche von ihnen standen am Rand, andere saßen im Publikum. In ihren kleinen Gruppen verließen die einzelnen Schauspieler:innen nacheinander die Aula und gingen zu ihren Spielorten. Das Publikum, in Gruppen eingeteilt, folgte. Die Spielorte waren in der ganzen Schule verteilt.

Die Fragen spiegelten das Thema wider, um die sich die Literaturnacht drehte: Persönlichkeitsentwicklung, Identität und Gruppendruck. Rund um diese und ähnliche Themen hatten sich die Schüler:innen Literatur ausgesucht, die sie gelesen und nach Motiven aus diesen Texten Theaterstücke geschrieben hatten. Von Dystopien bis Coming-of-Age-Romanen war alles dabei.

Zwei der Schüler:innengruppen zeigten die Realität zweier Schwestern, die mit einer alkoholkranken Mutter aufwachsen und beide versuchen, ihr eigenes Leben zu führen. Hier geht es um Gefühle von Verantwortung und Schuld und die Frage nach persönlicher Freiheit und Selbstverwirklichung. Eine andere Gruppe präsentierte ein Theaterstück, in dem die Protagonistin nach einem Suizidversuch in einer Zwischenwelt voller Bücher aufwacht. Jedes dieser Bücher beinhaltet ein Leben, das sie hätte führen können, wenn sie sich an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben anders entschieden hätte. Ein anderes Stück ergründete die Natur des Menschen. Eine Gruppe junger Kinder landet nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel. Allein auf sich gestellt, leben sie zunächst nach gewohnten zivilisatorischen Regeln bis Streit und Machtkämpfe Überhand nehmen und zu Chaos und letztlich sogar zu Mord führen. Von einer anderen Theatergruppe wurde ein politisches Stück aufgeführt. Auf dem Hof der Tiere verscheuchen die Tiere den ausbeuterischen Besitzer. Sie erhoffen sich nun Gleichheit aller Tiere und ein besseres Leben für alle, doch schleichend etabliert sich ein System mit denselben ausbeuterischen Zügen wie zuvor bei den Menschen. Auch eine Coming-of-Age-Geschichte wurde auf der Bühne dargestellt. Es ging um die Entwicklung eines jugendlichen Protagonisten, der, selber eher unbeliebt, versucht, auf eine „angesagte“ Party eingeladen zu werden. Im Verlauf des Stückes wird seine Loyalität zu seinem besten Freund auf die Probe gestellt, er lernt er seine erste Liebe kennen und findet am Ende zu sich selbst.

Am Ende der Theaternacht versammelten sich alle Zuschauer:innen noch einmal in der Aula zu einem gemeinsamen Ende. Die Schülergruppen kamen nach und nach wieder herein und gaben exemplarisch einige Antworten auf die Fragen um Identität und Entwicklung, die sie zu Beginn der Theaternacht gestellt hatten. „Das Böse kann Überhand über das Gute gewinnen.“ „Ich muss andere vor ihren Fehlern nicht retten.“ „Jedes Leben birgt seine eigenen Herausforderungen.“ Andere Fragen blieben jedoch bewusst offen und gaben so den Zuschauer:innen Gelegenheit zum eigenen Nachdenken. 

Trotz einiger Krankheitsfälle und einem tobenden Gewitter wurde der Abend ein voller Erfolg und am Ende spendete das Publikum herzlichen und langanhaltenden Applaus. Stephanie Manz, eine Kollegin, die selber in manchen Jahrgängen den Literaturkurs übernimmt und große Freude an Theater hat, hatte folgende Gedanken über den Abend: „Meine Vorfreude und meine Erwartungen waren anlässlich der diesjährigen Literaturnacht groß, sind die Theaterstücke doch immer wieder ein Highlight im Schuljahr! Und ich muss sagen – ich wurde nicht enttäuscht. Die Schülerinnen und Schüler präsentierten modern inszenierte Stücke mit viel Tiefgang, schauspielerischem Talent und Liebe zum Detail: die Zwischenwelt im atmosphärisch dekorierten Kellertheater, aufgeladene Spannung auf der einsamen Insel oder der effektvolle Einsatz des Schattenspiels in der Aula, um nur einige zu nennen. Vielen Dank für diesen tollen und bereichernden Abend.“